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Blütezeit des Feuerwerks

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Die Blütezeit des Feuerwerks im Barock und Rokoko



Aus Italien schwappte der Impuls auch nach Deutschland, aufwändige Kunstfeuerwerke zu veranstalten. Weltliche und geistliche Herrscher in ganz Europa gaben prachtvolle Feuerwerksinszenierungen in Auftrag. Schlösser und Burger wurden in das Lichtspektakel einbezogen und imposant illuminiert. Die Vorbereitungen mit zahlreichen Künstlern und Handwerkern dauerten oftmals mehrere Wochen. Diese Spektakel dokumentierten Reichtum und Macht. Die Zentren zur Herstellung pyrotechnischer Produkte waren Florenz und Bologna in Italien.

In England ist das erste große Feuerwerk anlässlich des Geburtstages der Queen im Jahre 1572 dokumentiert. Ab diesem Zeitpunkt fanden dort zahlreiche Feuerwerke statt und Shakespeare nutzte mehrfach den Begriff ‚fireworks’ in seinen Stücken. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt der ‚Green Man’, der mit funkensprühenden Stäben Prozessionen anführte. Der Name ‚Green Man’ kam auf, weil frische, grüne Zweige an der Kleidung vor Funkenflug und Entzündung schützten. Die frühen Feuerwerke in England wurden von italienischen und französischen Feuerwerkern durchgeführt, die im 17.Jahrhundert als Meister ihres Handwerks galten. Besonders erwähnenswert ist die Ruggieri-Familie aus Bologna. In Deutschland entwickelte sich zeitgleich der ‚Northern Style’ unter den Pyrotechnikern Hoch, Müller, Clarmer und Miller)


Im Barock und Rokoko ( ca. 1600 – 1770) erlebten Feuerwerksinszenierungen in Anzahl und Größe ihre Hoch-Zeit. Die französischen Könige Luis XIV. und XV veranstalteten Feuerwerke zu Geburtstagen, Hochzeiten, Friedensverträgen und anderen Anlässen.

Le Brun beschreibt 1674 eine Feuerwerksdarbietung wie folgt:“ Mitten aus dem Wasser erhob sich, getragen von goldenen Greifern, ein Obelisk aus Licht. Von seiner Spitze strahlte eine Sonne, an seinem Fuß schlug ein Drache mit seinen Flügeln. Plötzlich knallten 1500 Böller. Die Ufer erstrahlten, der Drache spie Ströme von Feuer. Über Wasserfällen zuckten Blitze, 5000 Raketen stiegen zugleich in die Höhe, barsten zu einem Dom von Licht und sanken in einem Sternenregen zur Erde.“

Niemals zuvor und niemals danach gab es eine solche unbändige Lust an der Verschwendung.

„Drei Millionen hat es mich gekostet, und drei Minuten hat es mich unterhalten“, soll Karl II. anlässlich eines Feuerwerkes geäußert haben.

Die Ruggieris waren 1735 nach Frankreich gekommen und zeichneten sich fortan verantwortlich für viele der dortigen Feuerwerke. Feuerwerke wurden in Theater- und Opernaufführungen integriert. Der Pyrotechniker stand künstlerisch mit dem Regisseur auf einer Stufe.

Lichterreiche Gesamtkompositionen inspirierten Maler und Komponisten. Dies war nicht verwunderlich, bedenkt man die ungleich stärkere Wirkung des Lichterzaubers in einer Zeit, der ‚Licht auf Knopfdruck’ unbekannt war.(Erst seit ca. 1850 wurde die Nutzung des elektrischen Stroms erfunden)

Das gigantischste und beeindruckendste Feuerwerk dieser Epoche fand 1770 im Schlosspark von Versailles unter Ludwig XV. statt. Der König von Frankreich hieß mit diesem Feuerzauber seine Schwiegertochter Marie-Antoinette willkommen. Laut Zeitzeugenberichten wurden dabei 20.000 Raketen, 6.000 Feuertöpfe und 80 bis zu 30Meter Durchmesser große Sonnen entzündet.


Für Stagnation in der englischen Feuerwerksgeschichte sorgte das für den 26.4.1749 geplante Feuerwerk in Londons Green Park. Das mit 14.500 englischen Pfund damals teuerste Feuerwerk sollte den Friedensschluss von Aachen würdigen. Sechs Monate lang fanden Vorbereitungen statt und Händel wurde mit der legendären Feuerwerksmusik beauftragt.

Eine Auseinandersetzung zwischen englischen und italienischen Feuerwerkern führte zu einer riesigen Explosion, die einen Großteil des Feuerwerks und Gebäude zerstörte.


Ein besseres Verständnis der Chemie und Naturwissenschaften, sowie die Entdeckung neuer Materialien sorgten ab dem beginnenden 19.Jahrhundert für vielschichtigere Effekte.

Kannte man zu Zeiten der Ruggieris fast ausschließlich goldene oder Orange-gelbe Funken, so machte der Einsatz verschiedener Metallsalze andere Farbgebungen möglich. Magnesium wurde erstmals 1865, Aluminium 1894 eingesetzt. Auch die Herstellungsmethoden verbesserten sich. Das bereits 1700 gegründete Familienunternehmen ‚Brock’s Fireworks’ trug zwischen den Jahren 1865 und 1936 besonders viel zur Weiterentwicklung und Verbesserung der Pyrotechnik bei.


Heutzutage – ganz in der Tradition des Barock – zaubern Pyrokünstler die Sterne an den Himmel. Bis zu 3 Tonnen Sprengstoff werden –häufig musiksynchron – gezündet.

Feuerwerksinszenierungen werden am Computer programmiert und digital, elektronisch gezündet. Und noch immer geht der Blick voller Entrücktheit und Faszination gen Himmel.


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