Schon Goethes Faust begeisterte das funkelnde Lichterstäbchen:“ Da sprühen Funken in der Nähe, wie ausgestreuter goldner Sand“.
Die Wunderkerze, in der Regel 17cm lang scheint die simpelste Form des Feuerwerks zu sein. Ein paar Sekunden lang fliegen knisternd Funkensterne.
Was einfach scheint, ist jedoch ein filigranes, kompliziertes Gebilde.
Wunderkerzen sind verkupferte Stahldrähte, die mit einem Gemisch überzogen sind.
Dieses Gemisch wird von den Pyrotechnikern salopp ‚Wunderkerzenpampe’ genannt. Enthalten sind:
15% Dextrin, ein Abbauprodukt der Stärke. Es fungiert als Klebstoff.
5% Aluminiumpulver; es verbrennt mit hoher Temperatur und dient als Energielieferant.
55% Bariumnitrat als sauerstoffreiches Salz. Das Barium sorgt für die grünliche Farbe und das Nitrat zerfällt bei den hohen Temperaturen und unterstützt damit –durch den frei werdenden Sauerstoff – die Verbrennung.
25% Eisenspäne versprühen beim Verbrennen zusammen mit dem Aluminiumpulver sternförmige Funken.
Jeder Metalldraht wird mindestens zweimal per Hand getunkt und muss dann noch 8 Stunden trocknen. Der ‚Taucher’ ist eine Fachkraft
Beim Abrennen erfolgt eine chemische Reaktion, die Oxidation. Über einer Flamme verbindet sich Eisen mit Sauerstoff sehr schnell zu Eisenoxid und dabei entstehen hohe Temperaturen, die zu dem Funkensprüheffekt bei einer rauchlosen Verbrennung führt. Ein Hochofenprozess im Miniaturformat. Beim Erhitzen der Wunderkerze gibt es innen Spannungsrisse. Der Funke wird abgesprengt, brennt, heizt sich auf und platzt erneut in Teile, was zum ‚Sterneneffekt’ führt. Die Verbindung zwischen oxidierenden und metallischen Stoffen (etwa dem Aluminium) kann zu sehr heftigen Reaktionen führen. Im schlimmsten Fall würde der Wunderkerzenbrei aufkochen und sich zuletzt selbst entzünden. Deshalb ist in der Produktion äußerste Vorsicht geboten. Die exakt konzipierte Mixtur aus einer feinen und einer groben Körnung lässt eine innere und eine äußere Schicht entstehen, was für eine gute Qualität der Wunderkerzen entscheidend ist. Die Masse darf nicht uneben oder mit Bläschen aufgebracht werden, da sie beim Einsatz sonst tropfen würde oder Brandflecken hinterlassen.
Wunderkerzen sind in der heutigen Form erst seit dem 19.Jahrhundert bekannt. Ihr Erfinder kann nicht eindeutig ausgemacht werden. Immer wieder ist mit der Zusammensetzung der Wunderkerzen experimentiert worden. Man versuchte den Einsatz von Magnesium und Metalliclacken. Doch beides brachte kein zufrieden stellendes Ergebnis.
Längst ist die Wunderkerze zum Symbol geworden. Sie begleitet viele Festivitäten, nicht nur Silvestern. Sie steht für die Funken, die von Herz zu Herz gehen, für Menschen, die Licht ins Dunkel bringen. Doch am Ende bleibt die Glitzer-Kerze wunderlich und geheimnisvoll, auch wenn wir hier versucht haben, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.