Faszinosum Feuerwerk
Was ist es, dass dem Betrachter eines Feuerwerks dieses glückselige Lächeln ins Gesicht zaubert? Ein Feuerwerk berührt uns, weckt Emotionen und rührt an archaischen Grundmustern. Man kann sich der Faszination nicht entziehen.
Der Pyrotechniker nimmt der prometheischen Flamme den mythischen Ernst und lässt Hülsen voller Schwarzpulver zu Lichterblumen und funkelnden Kaskaden zerbersten.
Die zerstörerische Kraft, die dem Feuer seit eh und je auch innewohnt, wird hier gebändigt und in eine durchdachte, magische Form gebracht.
Juwelen am Himmel leuchten für die Dauer eines Augenblicks. Kaum da und schon vorbei. Die Flüchtigkeit verleiht dem Moment des Lichterglanzes einen ganz besonderen Zauber und erhebt ihn durch seine Vergänglichkeit und Einzigartigkeit zum ‚Königsmoment’. Das Erleben der Ewigkeit im Augenblick ist es, das uns zum Hinblicken nötigt und tiefe Emotionen freisetzt. Funkelnde Sekundengebilde verwandeln sich fortwährend und dehnen sich aus. Man erlebt jede Lichtexplosion als kleines Universum für sich und man scheint beim Hinsehen mit zu wachsen, wie Alice im Wunderland. Für die Dauer eines Augenblicks übermannt uns ein ‚Ah’ oder ‚Oh’ und wir durchdringen die Grenze zwischen Innen und Außen. Ein tief ergriffenes Staunen im Gesicht ist die Gegenwart nur noch ein funkelnd-schimmernder Moment im Dunkeln. Alle Sorgen treten in den Hintergrund und wir sind ganz gefangen im Hier und Jetzt. Den romantischen Traum, das Hinfortgleiten und das Sich-Einlassen auf dieses Schauspiel der Feuerkunst ernüchtern die Böller, Heuler und Kanonenschläge. Und dann ist mit einem Schlag alles zu Ende und es umfängt uns das Dunkel der Nacht.
Die alte Kunst der Pyrotechnik verwirklicht beispielhaft die große Sehnsucht, alles in Lust zu versprühen, sich ganz dem Augenblick hinzugeben, über die Grenzen der Vernunft hinaus.
Alles ist Eins; das Ich ist im zeitlosen Augenblick von sich selbst erlöst. Im funkelnden Vergehen silberner Himmelsschweife und herabrieselnder Lamettaströme vollzieht sich die Geste einer Grenzüberschreitung. Der Doppelaspekt der Materie erhebt das Feuerwerk zum Faszinosum: Gefahr und Schönheit, Risiko und Anmut, Vernichtungspotential und visueller Lustgewinn.
